Die Forschungszulage wirkt – und zwar messbar
21.09.2026
Mit der Evaluation des Forschungszulagengesetzes 2021–2025 liegt eine umfassende Untersuchung zur bisherigen Wirkung der Forschungszulage in Deutschland vor. Der Evaluationsbericht wurde im September 2026 als Bundestagsdrucksache 21/7999 veröffentlicht und untersucht unter anderem, welche Unternehmen die Forschungszulage nutzen, wie sich die Förderung auf Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten auswirkt und welche Herausforderungen sich in der praktischen Anwendung zeigen.
Eine der wichtigsten Erkenntnisse für technologieorientierte Unternehmen: Die Forschungszulage führt offenbar nicht lediglich dazu, dass ohnehin geplante Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten finanziell entlastet werden. Die empirischen
Ergebnisse zeigen vielmehr einen messbaren zusätzlichen Effekt auf die FuE-Aktivitäten der geförderten Unternehmen.
Unternehmen mit einem positiv beschiedenen Antrag erhöhten ihre FuE-Ausgaben im Durchschnitt um 13,7 % gegenüber vergleichbaren forschenden Unternehmen, die keine Forschungszulage beantragt hatten. Gleichzeitig stieg
die Zahl der FuE-Beschäftigten um durchschnittlich 11,4 %.
Diese Ergebnisse sind besonders relevant, weil die Evaluation nicht nur die Entwicklung der Antragsteller betrachtet. Mithilfe ökonometrischer Verfahren wurden Unternehmen mit Forschungszulage mit strukturell vergleichbaren FuE-Unternehmen ohne Antragstellung verglichen. Dadurch lässt sich wesentlich besser beurteilen, welcher zusätzliche Effekt tatsächlich mit der Förderung verbunden ist.
Mehr finanzieller Spielraum für technologische Entwicklung
Für technologieorientierte Unternehmen ist die Forschungszulage damit weit mehr als eine nachträgliche steuerliche Entlastung. Sie kann zusätzlichen finanziellen Spielraum schaffen, um Entwicklungsaktivitäten auszubauen, technische
Teams zu verstärken oder anspruchsvollere Entwicklungsprojekte voranzutreiben.
Gerade bei Software-, Hardware- und technologieintensiven Entwicklungsprojekten können erhebliche Personalaufwendungen entstehen, lange bevor feststeht, ob eine technische Lösung tatsächlich funktioniert. Entwickler, Software Engineers
und andere technische Fachkräfte arbeiten beispielsweise an neuen Architekturen, Algorithmen, Prototypen oder Lösungsansätzen, deren technische Machbarkeit zu Beginn des Projekts noch nicht abschließend geklärt ist.
Genau hier kann die Forschungszulage strategisch relevant werden: Förderfähige FuE-Aufwendungen werden nicht erst dann berücksichtigt, wenn eine Innovation erfolgreich am Markt eingeführt wurde. Entscheidend ist vielmehr, ob die
zugrunde liegenden Entwicklungsaktivitäten die Voraussetzungen für Forschung und Entwicklung im Sinne des Forschungszulagengesetzes erfüllen.
Forschungszulage als Bestandteil der FuE-Finanzierung
Für Geschäftsführungen, CTOs und CFOs lohnt es sich deshalb, die Forschungszulage nicht ausschließlich als steuerliches Thema zu betrachten. Bei Unternehmen mit kontinuierlicher technologischer Entwicklung kann sie vielmehr ein wiederkehrender Bestandteil der Finanzierung von Forschung und Entwicklung sein.
Das setzt allerdings voraus, dass potenziell förderfähige Vorhaben rechtzeitig erkannt werden. Wer erst nach Abschluss eines Geschäftsjahres prüft, welche Entwicklungsarbeiten möglicherweise förderfähig gewesen sein könnten, muss technische Projektverläufe, Unsicherheiten und Entwicklungsentscheidungen häufig nachträglich rekonstruieren.
Sinnvoller ist es daher, bereits bei der Planung und Durchführung technologischer Entwicklungsprojekte zu prüfen, wo tatsächlich FuE stattfindet und welche Aktivitäten entsprechend dokumentiert werden sollten.
Die Evaluation liefert dafür ein starkes wirtschaftliches Argument: Die Forschungszulage reduziert nicht nur Kosten – sie ist nachweislich mit zusätzlichen FuE-Investitionen und zusätzlichem FuE-Personal verbunden.
Besonders relevant für den deutschen Mittelstand
Die Evaluation zeigt deutlich, dass die Forschungszulage keineswegs nur ein Instrument für große Konzerne mit eigenen Forschungsabteilungen ist. Im Gegenteil: Der überwiegende Teil der Unternehmen, die bislang einen Antrag gestellt haben, gehört zum deutschen Mittelstand.
Rund 85 % der antragstellenden Unternehmen beschäftigen weniger als 250 Mitarbeiter. Etwa 34 % haben weniger als zehn Beschäftigte, weitere 29 % zwischen 10 und 49 und rund 22 % zwischen 50 und 249 Beschäftigte. Damit bilden kleine und mittlere Unternehmen die mit Abstand größte Gruppe unter den Antragstellern.
Gerade für technologieorientierte KMU ist die finanzielle Bedeutung der Förderung erheblich. Nach den Ergebnissen der Evaluation entspricht die über die Forschungszulage berücksichtigte Bemessungsgrundlage inzwischen rund 20 % der internen FuE-Aufwendungen von KMU. Über alle Unternehmen hinweg liegt dieser Anteil deutlich niedriger.
Technologieentwicklung findet nicht nur in klassischen Forschungsabteilungen statt
Für Tech-Unternehmen ist dabei ein weiterer Punkt entscheidend: Forschung und Entwicklung muss nicht zwingend in einer eigenständigen Forschungsabteilung stattfinden.
Auch innerhalb regulärer Software-, Engineering- oder Produktentwicklung können Aktivitäten die Voraussetzungen für Forschung und Entwicklung erfüllen. Entscheidend ist nicht die Bezeichnung einer Abteilung oder eines Projekts, sondern was technisch entwickelt wird und welche Herausforderungen dabei gelöst werden müssen.
Ein Softwareunternehmen kann beispielsweise an einer neuen Systemarchitektur arbeiten, ein Maschinenbauer eine technisch neuartige Steuerung entwickeln oder ein Elektronikunternehmen verschiedene Lösungsansätze für ein Embedded-System untersuchen. Solche Projekte sind nicht automatisch förderfähig. Sie können jedoch relevante FuE-Aktivitäten enthalten, wenn unter anderem technische Neuartigkeit und Unsicherheiten bestehen und diese systematisch bearbeitet werden.
Förderpotenzial wird dadurch leicht übersehen
Gerade im Mittelstand sind Entwicklungsaktivitäten häufig eng mit dem operativen Geschäft verbunden. Entwickler arbeiten parallel an Kundenprojekten, Produktverbesserungen, neuen Funktionen und technisch anspruchsvollen Entwicklungsaufgaben. Die Grenze zwischen regulärer Produktentwicklung und förderfähiger FuE ist dadurch nicht immer unmittelbar erkennbar.
Das birgt ein praktisches Risiko: Nicht nur ungeeignete Projekte können fälschlicherweise als FuE eingeschätzt werden – auch tatsächlich förderfähige Entwicklungsaktivitäten können unentdeckt bleiben.
Für Geschäftsführungen und technische Verantwortliche lohnt es sich deshalb, das eigene Entwicklungsportfolio regelmäßig aus FuE-Perspektive zu betrachten. Insbesondere bei Unternehmen mit kontinuierlicher Software-, Hardware- oder Produktentwicklung kann sich hinter mehreren parallel laufenden Entwicklungsprojekten ein erhebliches Förderpotenzial verbergen.
Die Zahlen der Evaluation zeigen damit vor allem eines: Die Forschungszulage ist im deutschen Mittelstand angekommen. Entscheidend ist nun zunehmend, förderfähige technologische Entwicklung innerhalb des Unternehmens zuverlässig zu erkennen und von regulärer Entwicklung abzugrenzen.
61 % der Projekte erhalten eine Nachforderung – worauf kommt es an?
Die hohe Nutzung der Forschungszulage bedeutet nicht, dass die Anerkennung von Entwicklungsprojekten selbstverständlich ist. Die Evaluation zeigt vielmehr, dass die inhaltliche Prüfung durch die Bescheinigungsstelle Forschungszulage (BSFZ) für viele Unternehmen eine erhebliche Hürde darstellt.
Über den betrachteten Zeitraum erhielten rund 61 % der eingereichten Vorhaben mindestens eine Nachforderung. Eine Nachforderung bedeutet dabei nicht automatisch, dass ein Projekt die Voraussetzungen für Forschung und Entwicklung nicht erfüllt. Sie zeigt jedoch, dass die BSFZ zusätzliche Informationen benötigt, um die Förderfähigkeit abschließend beurteilen zu können.
Besonders häufig betreffen die Rückfragen die zentralen FuE-Kriterien Neuartigkeit, Risiko beziehungsweise technologische Ungewissheit und Planmäßigkeit.
Neuartigkeit: Was geht über bestehende Lösungen hinaus?
Gerade bei Software- und Technologieprojekten ist Neuartigkeit häufig schwieriger darzustellen, als es zunächst erscheint.
Dass eine neue Softwarelösung, Funktion oder Plattform entwickelt wird, reicht allein nicht aus. Entscheidend ist, welche technischen Erkenntnisse oder Lösungsansätze über den verfügbaren Stand hinausgehen und warum vorhandene Technologien oder bekannte Vorgehensweisen nicht ausreichen.
Für die technische Projektbeschreibung bedeutet dies beispielsweise, nachvollziehbar zu machen:
- welche bestehenden Lösungsansätze untersucht wurden,
- wo deren technische Grenzen liegen,
- welche neuen technischen Ansätze entwickelt werden müssen und
- worin der angestrebte technologische Fortschritt besteht.
Die entscheidende Frage lautet also nicht nur: „Was entwickeln wir?“, sondern insbesondere: „Welche technische Herausforderung können wir nicht mit bereits verfügbaren Lösungen bewältigen?“
Risiko und technologische Ungewissheit: Warum steht die Lösung noch nicht fest?
Ein weiteres zentrales Kriterium ist die technologische Ungewissheit. Zu Beginn eines FuE-Vorhabens darf die Lösung beziehungsweise der Weg zur Lösung nicht vollständig vorhersehbar sein.
In der Praxis wird genau dieser Punkt häufig zu allgemein beschrieben. Aussagen wie „das Projekt ist technisch komplex“, „die Entwicklung ist anspruchsvoll“ oder „es besteht das Risiko, dass sich der Zeitplan verzögert“ beschreiben noch keine technologische Ungewissheit im Sinne der Forschungszulage.
Relevant sind vielmehr konkrete technische Fragestellungen.
Kann beispielsweise die erforderliche Performance mit der vorgesehenen Architektur erreicht werden? Lässt sich ein Algorithmus mit der notwendigen Genauigkeit und Geschwindigkeit realisieren? Funktioniert ein neuer technischer Ansatz unter den gegebenen Systemrestriktionen? Oder müssen zunächst unterschiedliche Lösungswege experimentell untersucht werden?
Gerade gescheiterte technische Ansätze, Prototypen und Iterationen können deshalb wichtige Informationen liefern. Sie machen sichtbar, welche Unsicherheiten tatsächlich bestanden und wie das Entwicklungsteam versucht hat, diese systematisch zu lösen.
Planmäßigkeit: FuE ist mehr als Trial and Error
Technische Unsicherheit allein macht ein Projekt noch nicht zu Forschung und Entwicklung. Die Arbeiten müssen planmäßig und systematisch durchgeführt werden.
Für Tech-Unternehmen bedeutet dies nicht zwangsläufig, dass ein Projekt nach einem klassischen Wasserfallmodell geplant sein muss. Auch agile Softwareentwicklung kann selbstverständlich strukturiert und systematisch erfolgen.
Entscheidend ist, dass nachvollziehbar wird, welche technischen Fragestellungen untersucht werden, welche Lösungsansätze verfolgt werden und wie Erkenntnisse aus Tests, Prototypen oder fehlgeschlagenen Ansätzen in die weitere Entwicklung einfließen.
Roadmaps, technische Spezifikationen, Tickets, Architekturentscheidungen, Testresultate, Prototypen und Entwicklungsdokumentation können dabei helfen, den tatsächlichen Projektverlauf nachvollziehbar zu machen.
Die technische Realität muss in FuE-Kriterien übersetzt werden
Eine der praktischen Herausforderungen besteht somit darin, dass Entwicklungsteams und BSFZ aus unterschiedlichen Perspektiven auf dasselbe Projekt schauen.
Ein CTO oder Software Engineer spricht beispielsweise über Architektur, Skalierbarkeit, Latenz, Datenmodelle, Algorithmen, Schnittstellen oder Systemrestriktionen. Im Rahmen der Forschungszulage muss daraus erkennbar werden, wo Neuartigkeit, technologische Ungewissheit und ein systematisches Vorgehen liegen.
Genau diese Übersetzung entscheidet häufig darüber, ob die tatsächliche technische Herausforderung eines Projekts für einen externen Prüfer nachvollziehbar wird.
Die hohe Nachforderungsquote aus der Evaluation ist deshalb ein wichtiges Signal für technologieorientierte Unternehmen: Nicht allein die Qualität oder Komplexität einer Entwicklung ist entscheidend, sondern auch, ob die relevanten FuE-Merkmale technisch konkret und nachvollziehbar dargestellt werden.
Zwei Drittel der Antragsteller nutzen externe Beratung – doch Beratung ist nicht gleich Beratung
Die Evaluation liefert erstmals einen interessanten Einblick in die Bedeutung externer Berater bei der Forschungszulage. Seit Juni 2024 wird bei der Antragstellung erfasst, ob ein kostenpflichtiger externer Berater beteiligt ist. Bei den ausgewerteten Anträgen lag dieser Anteil bei rund 66 %.
Damit werden etwa zwei von drei Anträgen mit externer Unterstützung gestellt. Die Inanspruchnahme spezialisierter Beratung ist bei der Forschungszulage also keineswegs die Ausnahme, sondern inzwischen ein wesentlicher Bestandteil des Marktes.
Die Gründe dafür liegen nicht ausschließlich im administrativen Aufwand. Die Evaluation beschreibt insbesondere die Herausforderung, betriebliche Entwicklungsaktivitäten in die abstrakten FuE-Kriterien zu übersetzen und technische Sachverhalte innerhalb der Antragslogik präzise darzustellen.
Gerade bei komplexen Software-, Hardware- und Engineering-Projekten stellt sich deshalb häufig nicht nur die Frage, wie ein Antrag gestellt wird, sondern zunächst, welche Entwicklungsaktivitäten tatsächlich als Forschung und Entwicklung eingeordnet werden können.
Externe Beratung verhindert Nachforderungen nicht automatisch
Besonders aufschlussreich ist der Vergleich zwischen Anträgen mit und ohne externe Beratung.
Im Jahr 2025 erhielten rund 58 % der Projekte mit externer Beratung eine Nachforderung. Bei Projekten ohne externe Beratung waren es rund 63 %. Extern begleitete Anträge weisen damit insgesamt etwas seltener Nachforderungen auf.
Bei einem genaueren Blick auf die Gründe zeigt sich jedoch ein differenzierteres Bild.
Bei den beiden zentralen technischen Kriterien Neuartigkeit und Risiko sind die Unterschiede gering:
Grund der Nachforderung
Neuartigkeit
Risiko
Planmäßigkeit
Plausibilität
Mit externer Beratung
30 %
30 %
13%
5%
Ohne externe Beratung
30 %
31 %
19 %
5 %
Gerade bei Neuartigkeit und technologischem Risiko – zwei für Tech-Projekte besonders relevanten Kriterien – führt die Beteiligung eines Beraters im Durchschnitt somit nicht automatisch zu deutlich weniger Rückfragen.
Das bedeutet nicht, dass Beratung keinen Mehrwert bietet. Vielmehr deutet es darauf hin, dass die Art der Beratung entscheidend ist.
Bei Technologieprojekten zählt technische Substanz
Ein Förderantrag kann sprachlich überzeugend formuliert und formal vollständig sein – und dennoch zentrale technische Fragen offenlassen.
Bei einem Softwareprojekt muss beispielsweise nachvollziehbar sein, warum eine bestehende Architektur nicht ausreicht, welche technischen Grenzen überwunden werden sollen und weshalb zu Projektbeginn unklar ist, ob der gewählte Lösungsansatz funktioniert.
Dafür ist es notwendig, die tatsächliche Entwicklungsarbeit zu verstehen.
Eine fundierte Projektanalyse beginnt deshalb nicht beim Antragsformular, sondern im Gespräch mit den Personen, die die Technologie entwickeln: CTOs, Software Architects, Entwickler, Engineers und technische Projektverantwortliche.
Erst auf dieser Grundlage lässt sich beurteilen, welche Projekte beziehungsweise Projektbestandteile FuE-Potenzial besitzen und wie sich Neuartigkeit, technologische Unsicherheit und das systematische Vorgehen konkret begründen lassen.
Gute Beratung bedeutet auch, Projekte kritisch zu hinterfragen
Ein weiterer Aspekt wird mit zunehmender Verbreitung der Forschungszulage wichtiger: Nicht jedes innovative oder technisch anspruchsvolle Projekt ist automatisch ein FuE-Projekt im Sinne des Forschungszulagengesetzes.
Eine seriöse Vorprüfung sollte deshalb nicht darauf ausgerichtet sein, möglichst viele Projekte in einen Antrag aufzunehmen. Sie sollte ebenso klar identifizieren, welche Projekte oder Arbeitspakete die FuE-Kriterien voraussichtlich nicht erfüllen.
Für Unternehmen ist eine solche Abgrenzung aus mehreren Gründen relevant. Sie reduziert unnötigen internen Aufwand, erleichtert die Dokumentation und ermöglicht es, technische Ressourcen auf diejenigen Vorhaben zu konzentrieren, bei denen eine belastbare FuE-Argumentation vorhanden ist.
Der Beratermarkt selbst rückt stärker in den Fokus
Die Evaluation enthält hierzu eine bemerkenswerte Feststellung. Bei den Festsetzungsverfahren der Finanzverwaltung weist Bayern eine vergleichsweise hohe Zahl von Ablehnungen auf. Die Autoren führen dies insbesondere auf „problematische Praktiken einiger weniger Förderberater“ zurück. Gegen einen dieser Anbieter läuft dem Bericht zufolge inzwischen ein gerichtliches Verfahren des deutschen Staates.
Der Bericht nennt weder den betroffenen Anbieter noch die konkreten Hintergründe des Verfahrens. Aus der Aussage lässt sich daher keine Bewertung einzelner Marktteilnehmer ableiten. Sie zeigt jedoch, dass neben der Förderfähigkeit eines Projekts zunehmend auch die Qualität und Vorgehensweise externer Dienstleister relevant wird.
Für Unternehmen spricht dies dafür, bei der Auswahl eines Partners nicht allein auf Erfolgsquoten oder eine möglichst einfache Antragstellung zu achten. Entscheidend sollte sein, ob technische Projekte kritisch geprüft, tatsächliche Projektdaten belastbar verwendet und Chancen wie auch Grenzen der Förderfähigkeit transparent dargestellt werden.
Die zentrale Erkenntnis aus der Evaluation lautet daher nicht, dass Unternehmen auf externe Unterstützung verzichten sollten. Vielmehr zeigt sie, dass bei technologisch komplexen Vorhaben die fachliche Qualität der Beratung entscheidender ist als die bloße Beteiligung eines Förderberaters.
Was Tech-Unternehmen aus der Evaluation mitnehmen sollten
Die Evaluation zeigt, dass sich die Forschungszulage zu einem relevanten Instrument für die Finanzierung von Forschung und Entwicklung entwickelt hat. Gerade für technologieorientierte Unternehmen liegt die Herausforderung jedoch weniger darin, grundsätzlich Zugang zur Förderung zu erhalten. Entscheidend ist vielmehr, förderfähige Entwicklungsaktivitäten frühzeitig zu erkennen, technisch richtig abzugrenzen und nachvollziehbar zu dokumentieren.
Für Geschäftsführungen, CTOs und Entwicklungsverantwortliche lohnt es sich deshalb, die Forschungszulage stärker in die laufende FuE- und Entwicklungsplanung einzubeziehen. Wer potenziell förderfähige Projekte erst rückwirkend identifiziert, muss technische Entscheidungen, Unsicherheiten, Versuche und Entwicklungsverläufe häufig nachträglich rekonstruieren.
Fünf Fragen, die sich Tech-Unternehmen stellen sollten
1. Identifizieren wir alle potenziell förderfähigen Entwicklungsprojekte?
Förderfähige FuE findet nicht nur in klassischen Forschungsabteilungen statt. Auch innerhalb der Software-, Hardware- oder Produktentwicklung können relevante FuE-Aktivitäten stattfinden.
2. Können wir die technische Neuartigkeit konkret erklären?
Eine neue Funktion oder ein neues Produkt allein reicht nicht aus. Entscheidend ist, welche technischen Grenzen bestehender Lösungen überwunden werden sollen.
3. Können wir technologische Unsicherheiten belegen?
Es sollte nachvollziehbar sein, welche technischen Fragestellungen zu Projektbeginn ungelöst waren und warum der Lösungsweg nicht bereits feststand.
4. Dokumentieren wir die Entwicklung ausreichend?
Technische Spezifikationen, Tests, Prototypen, Architekturentscheidungen und auch gescheiterte Lösungsansätze können später wichtige Informationen für die Beurteilung eines FuE-Vorhabens liefern.
5. Wird ein Projekt kritisch auf seine Förderfähigkeit geprüft?
Nicht jedes innovative oder technisch anspruchsvolle Projekt erfüllt automatisch die FuE-Kriterien. Eine fundierte Prüfung sollte deshalb nicht nur Förderpotenzial erkennen, sondern auch Projekte und Arbeitspakete ausschließen, bei
denen die Voraussetzungen nicht ausreichend erfüllt sind.
Forschungszulage als Teil der FuE-Strategie
Die Ergebnisse der Evaluation sprechen dafür, die Forschungszulage nicht als einmalige steuerliche Maßnahme am Ende eines Entwicklungsprojekts zu betrachten. Für Unternehmen mit kontinuierlicher technologischer Entwicklung kann sie vielmehr ein wiederkehrender Bestandteil der FuE-Finanzierung und Entwicklungsstrategie sein.
Voraussetzung dafür ist ein strukturierter Blick auf das eigene Entwicklungsportfolio: Wo findet tatsächlich Forschung und Entwicklung statt? Welche technischen Unsicherheiten werden bearbeitet? Und sind Projekte, Entwicklungsaufwand und technische Erkenntnisse so dokumentiert, dass sie auch für Dritte nachvollziehbar sind?
Gerade für Software-, Hardware- und andere technologieorientierte Unternehmen kann eine regelmäßige FuE-Bewertung dabei helfen, Förderpotenziale frühzeitig zu erkennen und gleichzeitig nicht geeignete Projekte sauber abzugrenzen.
Quelle:
Evaluation des Forschungszulagengesetzes 2021–2025, Bundestagsdrucksache 21/7999.
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